| Aus der FTD vom 15.3.2005 | www.ftd.de/ezb |
Europäische Zentralbank fährt Rekordverlust ein
Von Mark Schieritz, Frankfurt
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im vergangenen Jahr den größten Verlust ihrer Geschichte eingefahren. Um das Minus zu decken, muss die EZB erstmals die nationalen Notenbanken anzapfen.
| Der Fehlbetrag 2004 belaufe sich auf 1,636
Mrd. Euro, teilte die Notenbank am Montag mit. Die EZB-Verluste reißen neue
Löcher in den deutschen Haushalt. Denn der Bundesbankgewinn sinkt um den
Betrag, für den die deutsche Notenbank geradestehen muss - gut 400 Mio.
Euro. Weniger Geld fließt damit an Finanzminister Hans Eichel, der im Etat
2005 mit einem Bundesbankprofit von 2 Mrd. Euro kalkuliert. Eichel will das
Staatsdefizit unbedingt unter die EU-Grenze von drei Prozent des
Bruttoinlandsprodukts drücken.
EZB-Chef Jean-Claude Trichet rief die Euro-Staaten am Montag mit Nachdruck dazu auf, Haushaltsdefizite abzubauen. Zudem warnte er davor, die Defizitregeln in den Beratungen über eine Reform des EU-Stabilitätspakts zu lockern: "Unser Leben wird völlig anders sein, je nachdem, ob wir ein gutes oder ein schlechtes Ergebnis haben." Minus auf starken Euro zurückgeführt Dass die EZB in diesem Jahr selbst ein dickes Minus verbucht, führte die Notenbank auf den starken Euro zurück. Deswegen seien Abschreibungen auf Währungsreserven in Höhe von 2,1 Mrd. Euro notwendig geworden. Auch habe das niedrige Zinsniveau die Zinseinkünfte geringer ausfallen lassen. Zum Problem für Eichel wird dies nun, weil die EZB anders als 2004 ihr Minus lediglich zu einem kleinen Teil durch Reserven ausgleichen kann - und deshalb auf die nationalen Notenbanken zurückgreifen muss. Entsprechend ihres Kapitalanteils muss die Bundesbank für etwa 30 Prozent des verbleibenden Verlusts von 1,34 Mrd. Euro aufkommen. Technisch geschieht dies, indem Einkünfte aus dem Bargeldumlauf für die Verlustdeckung verwendet werden. Diese Einnahmen stehen eigentlich größtenteils den nationalen Notenbanken zu. Die Bundesbank legt ihren Jahresabschluss am Dienstag vor. Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank, sagte, es gebe inzwischen keinen Zweifel mehr daran, dass die Notenbank allenfalls einen sehr kleinen Gewinn ausweisen werde. "Auch ein Minus ist nach den EZB-Zahlen nicht mehr auszuschließen", sagte Angenendt. |